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Zinsbindung 10 oder 15 Jahre: Was am Ende passiert

Die Zinsbindung legt fest, wie lange Ihr Zins fix bleibt – nicht, wie lange Sie den Kredit insgesamt abbezahlen. Bei 300.000 € Kredit zu 3,7 % und 30 Jahren Tilgung sind nach 10 Jahren noch 233.927,21 € offen, die zum dann geltenden Zins neu finanziert werden müssen.

8 Min. Lesezeit · Aktualisiert: 3. September 2026

Kurz zusammengefasst

  • Bei einem Kredit von 300.000 € zu 3,7 % Zins und 30 Jahren Tilgung sind nach 10 Jahren noch 233.927,21 € offen, nach 15 Jahren noch 190.528,79 € – dieser Restbetrag wird zum dann geltenden Zins neu finanziert.
  • Nach § 489 BGB dürfen Sie ein Darlehen mit mehr als 10 Jahren Zinsbindung spätestens 10 Jahre und 6 Monate nach vollständiger Auszahlung ganz oder teilweise kündigen – unabhängig von der vereinbarten Zinsbindung.
  • Die Zinsbindung ist unabhängig von der Tilgungsdauer: Bei 30 Jahren Tilgung und 10 Jahren Zinsbindung wird nach 10 Jahren nur der Zins neu verhandelt, nicht der gesamte Kredit fällig.
  • Ein Forward-Darlehen sichert den heutigen Zins bis zu etwa 5 Jahre vor Ende der laufenden Zinsbindung – typischerweise gegen einen Zinsaufschlag von 0,01 bis 0,03 Prozentpunkten je Monat Vorlaufzeit.
  • Wegen § 489 BGB sind Sie bei 15 Jahren Zinsbindung nicht länger gebunden als bei 10 Jahren: Das Sonderkündigungsrecht greift so oder so schon nach 10,5 Jahren.

Was Zinsbindung bedeutet – und was nicht

Die Zinsbindung (Sollzinsbindung) legt fest, wie lange der vereinbarte Zinssatz für den Kredit unverändert gilt – üblich sind 5, 10, 15 oder 20 Jahre. Sie ist unabhängig von der Tilgungsdauer, also der Zeit, bis der Kredit vollständig abbezahlt ist. Ein Kredit über 300.000 € kann zum Beispiel auf 30 Jahre Tilgung ausgelegt sein, aber nur 10 Jahre Zinsbindung haben: Nach 10 Jahren ist nicht der ganze Kredit fällig, sondern nur der Zins muss neu vereinbart werden – für die Restschuld, die dann noch offen ist.

Am Ende der Zinsbindung gibt es drei Wege: die bestehende Bank bietet eine Anschlussfinanzierung (Prolongation) zum dann aktuellen Zins an, Sie wechseln mit der Restschuld zu einer anderen Bank, oder Sie haben den neuen Zins vorher schon über ein Forward-Darlehen gesichert. Die Bank muss spätestens drei Monate vor Ende der Zinsbindung mitteilen, ob und zu welchem Zins sie eine neue Zinsvereinbarung anbietet – das gibt Zeit, Vergleichsangebote einzuholen.

Restschuld nach 10 und nach 15 Jahren

Die folgende Tabelle zeigt für einen Kredit von 300.000 € zu 3,7 % Zins und 30 Jahren Tilgung, wie viel Restschuld je nach Länge der Zinsbindung übrig bleibt und wie viel in dieser Zeit bereits getilgt wurde.

Restschuld am Ende der Zinsbindung: 300.000 €, 3,7 % Zins, 30 Jahre Tilgung (2026)

ZinsbindungMonatliche RateRestschuld am EndeIn dieser Zeit getilgt
10 Jahre1.380,85 €233.927,21 €66.072,79 €
15 Jahre1.380,85 €190.528,79 €109.471,21 €
20 Jahre1.380,85 €138.325,86 €161.674,14 €
Auszahlung des Kredits → Bank informiert spätestens 3 Monate vor Ende der Zinsbindung über neue Konditionen → Ende der Zinsbindung (hier: nach 10 Jahren) → Neuer Zins und neue Rate für die RestschuldAuszahlung des Kredits, Bank informiert spätestens 3 Monate vor Ende der Zinsbindung über neue Konditionen, Ende der Zinsbindung (hier: nach 10 Jahren), Neuer Zins und neue Rate für die Restschuld. Nach § 489 BGB dürfen Sie bei mehr als 10 Jahren Zinsbindung ohnehin schon nach 10 Jahren und 6 Monaten kündigen.Auszahlung des KreditsBank informiert spätestens 3 Monate vor Ende der Zinsbindung über neue KonditionenEnde der Zinsbindung (hier: nach 10 Jahren)Neuer Zins und neue Rate für die RestschuldZeit für Vergleichsangebote und ein mögliches Forward-DarlehenNach § 489 BGB dürfen Sie bei mehr als 10 Jahren Zinsbindung ohnehin schon nach 10 Jahren und 6 Monaten kündigen.
Zeitachse einer 10-jährigen Zinsbindung: Am Ende wird nur die Restschuld zum neuen Zins weiterfinanziert (2026).

Berechnen Sie Ihre eigene Restschuld

Geben Sie Kreditbetrag, Zins und Laufzeit ein – der Rechner zeigt die Restschuld nach jedem beliebigen Jahr sowie die monatliche Rate.

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Zweites Beispiel: kleinerer Kredit, kürzere Tilgung

Wie stark die Restschuld sinkt, hängt neben der Zinsbindung auch von Kreditbetrag, Zins und Tilgungsdauer ab. Bei einem Kredit von 200.000 €, 4,1 % Zins und ursprünglich 25 Jahren Tilgung liegt die monatliche Rate bei 1.066,75 €. Nach 10 Jahren sind hier noch 143.243,29 € offen, nach 15 Jahren noch 104.869,41 € – ein deutlich größerer Anteil ist bereits getilgt als im ersten Beispiel, weil die kürzere ursprüngliche Tilgungsdauer von Anfang an einen höheren Tilgungsanteil in der Rate bedeutet.

Restschuld am Ende der Zinsbindung: 200.000 €, 4,1 % Zins, 25 Jahre Tilgung (2026)

ZinsbindungMonatliche RateRestschuld am Ende
10 Jahre1.066,75 €143.243,29 €
15 Jahre1.066,75 €104.869,41 €

Auch hier gilt: Egal, ob 10 oder 15 Jahre Zinsbindung vereinbart wurden – § 489 BGB erlaubt in beiden Fällen eine Kündigung schon nach 10 Jahren und 6 Monaten. Der Unterschied zwischen beiden Laufzeiten zeigt sich vor allem darin, wie viel Restschuld zum Ende der jeweiligen Zinsbindung tatsächlich noch offen ist – und damit, wie groß der Betrag ist, der zum dann geltenden Zins neu verhandelt werden muss.

§ 489 BGB: das Sonderkündigungsrecht nach 10 Jahren

Nach § 489 Abs. 1 Nr. 2 BGB dürfen Sie ein Darlehen mit einer Zinsbindung von mehr als 10 Jahren frühestens nach Ablauf von zehn Jahren seit vollständiger Auszahlung kündigen, mit einer Kündigungsfrist von sechs Monaten – ohne Vorfälligkeitsentschädigung. Die vereinbarte Zinsbindung spielt dabei keine Rolle: Das Kündigungsrecht gilt unabhängig davon, ob Sie 10, 15 oder 20 Jahre Zinsbindung gewählt haben.

Eine längere Zinsbindung bindet Sie nicht länger

Wegen § 489 BGB können Sie faktisch schon nach 10,5 Jahren zu einer anderen Bank wechseln, wenn diese einen besseren Zins bietet – ganz gleich, ob Sie ursprünglich 10 oder 15 Jahre Zinsbindung vereinbart haben. Eine längere Zinsbindung schützt Sie vor Zinssteigerungen, ohne Ihnen die Möglichkeit zu nehmen, bei fallenden Zinsen früher zu wechseln.

10 oder 15 Jahre: worauf es ankommt

Eine längere Zinsbindung gibt Ihnen mehr Jahre Planungssicherheit bei gleichbleibender Rate, bevor Sie sich dem dann geltenden Zinsniveau stellen müssen. Wie hoch die Zinsen in 10 oder 15 Jahren sein werden, lässt sich heute nicht seriös vorhersagen – das ist kein Grund, sich für die eine oder andere Zinsbindung zu entscheiden. Wer die Restschuld vorab weiter senken will, kann das unabhängig von der Zinsbindung über eine Sondertilgung tun; wie stark sich das auf Restschuld und Laufzeit auswirkt, zeigt der Artikel Sondertilgung und Restschuld.

Wer die Anschlussfinanzierung schon vor Ende der laufenden Zinsbindung sichern möchte, kann das über ein Forward-Darlehen tun – möglich bis zu etwa 5 Jahre im Voraus, gegen einen Zinsaufschlag von üblicherweise 0,01 bis 0,03 Prozentpunkten je Monat Vorlaufzeit. Je früher das Forward-Darlehen abgeschlossen wird, desto höher der Aufschlag.

Häufige Fragen

Was bedeutet Zinsbindung bei einer Baufinanzierung?

Die Zeitspanne, für die der vereinbarte Zinssatz unverändert gilt – üblich sind 5, 10, 15 oder 20 Jahre. Sie ist unabhängig von der Tilgungsdauer, also der Zeit bis zur vollständigen Rückzahlung des Kredits.

Was passiert am Ende der Zinsbindung?

Die zu diesem Zeitpunkt noch offene Restschuld wird zum dann geltenden Zins weiterfinanziert – entweder als Prolongation bei der bisherigen Bank, als Wechsel zu einer anderen Bank, oder vorab gesichert über ein Forward-Darlehen.

Wie hoch ist die Restschuld nach 10 Jahren bei 300.000 € Kredit?

Bei 3,7 % Zins und 30 Jahren Tilgung sind nach 10 Jahren noch 233.927,21 € offen, nach 15 Jahren noch 190.528,79 €.

Was erlaubt § 489 BGB?

Ein Darlehen mit mehr als 10 Jahren Zinsbindung darf frühestens 10 Jahre nach vollständiger Auszahlung mit 6 Monaten Kündigungsfrist gekündigt werden, ganz oder teilweise – unabhängig von der vereinbarten Zinsbindung und ohne Vorfälligkeitsentschädigung.

Ist eine 15-jährige Zinsbindung riskanter als eine 10-jährige?

Nicht wegen der Bindung selbst: Durch § 489 BGB können Sie ohnehin schon nach 10,5 Jahren kündigen. Der Unterschied liegt vor allem im heute vereinbarten Zinssatz, der bei längerer Zinsbindung oft etwas höher ist.

Was ist ein Forward-Darlehen?

Ein Darlehen, das den heutigen Zins für eine Anschlussfinanzierung sichert, die erst nach Ende der laufenden Zinsbindung beginnt – möglich bis zu etwa 5 Jahre im Voraus, gegen einen Zinsaufschlag von meist 0,01 bis 0,03 Prozentpunkten je Monat Vorlaufzeit.

Wann muss die Bank ein Angebot für die Anschlussfinanzierung machen?

Spätestens drei Monate vor Ende der Zinsbindung muss die Bank mitteilen, ob und zu welchem Zins sie eine neue Zinsvereinbarung anbietet. Das gibt Zeit, Angebote anderer Banken zu vergleichen.

Wie hoch ist die Restschuld bei 200.000 € Kredit nach 10 Jahren?

Bei 4,1 % Zins und 25 Jahren Tilgung sind nach 10 Jahren noch 143.243,29 € offen, nach 15 Jahren noch 104.869,41 € – bei einer monatlichen Rate von 1.066,75 €.

Quellen

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